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Pilgerausweis, Pilgerpass, Credencial – Urkunde Deines Jakobsweges

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Wer als Pilger auf den Jakobsweg Küstenweg geht benötigt einen Pilgerausweis oder Pilgerpass - den Credencial del Peregrino.

Erinnerst Du Dich noch an die Zeit, als wir Angst hatten, dass uns an der Tür zu einem Club jemand nach unserem Ausweis fragt? Und wie blöd es war, wenn man dann nicht rein kam? Kann nicht mehr passieren!? Inzwischen sieht man die Lebenserfahrung!? Nun, der Jakobsweg könnte Dir noch einmal das Gefühl der Jugend in Erinnerung rufen! Nämlich dann, wenn man Dir in einer Herberge am Jakobsweg das Übernachten verweigert. "Du kommst hier net rein" ist so ziemlich das Letzte, was ein müder und weit gelaufener Pilger am Nachmittag oder Abend hören möchte. Und damit Dir so etwas eben nicht passiert, erzähle ich hier kurz und übersichtlich warum Du Deinen Pilgerausweis oder Pilgerpass, auch Credencial genannt, schon vor Reiseantritt zum Jakobsweg besorgen solltest und wie und wo Du so einen bekommst.
Als erstes möchte ich einmal vorweg nehmen, dass das, was jetzt eher wie eine Drohung klingt, zu einer der liebsten Beschäftigungen auf dem Jakobsweg werden kann. Vielen meiner Pilgerfreunde und auch mir hat es sehr viel Spaß und Freude bereitet, den Pilgerausweis zu zücken und darin Stempel (oder spanisch "sello") zu sammeln. In den meisten von uns steckt doch ein bisschen Sammler. Und viele kennen die Freude über sich füllende Alben - ganz gleich ob Aufkleber, Briefmarken oder eben Stempel! Aber eins nach dem anderen.

Der Pilgerausweis - auch Credencial genannt - erfüllt gleich mehrere Funktionen: allem voran weist Dich der Pilgerausweis als Pilger aus und berechtigt Dich damit zur Übernachtung in einer der zahlreichen Pilger-Herbergen am Jakobsweg. Das gilt für jeden Jakobsweg. Auch für den Küstenweg. Ob man, wenn es hart auf hart kommt wirklich draußen bleiben muss, nur weil man keinen Pilgerausweis vorzeigen kann, das will ich nicht mit letzter Bestimmtheit beschwören - aber ich habe Situationen erlebt, in denen Wanderer ohne Pilgerausweis abgewiesen wurden oder zumindest so lang warten mussten, bis alle Pilger mit Pilgerausweis untergebracht waren. Nun kann natürlich jeder sagen: Was soll ich in einer Herberge? Wozu gibt es Hotels und Pensionen! Richtig - damit hätte man dieses Problem gelöst. Und wenn dann auch der meist sehr günstige Übernachtungspreis von 5-10€ und die Gemeinschaft mit den anderen Pilgern auch noch kein Argument für einen Pilgerausweis sind, dann vielleicht der folgende Grund:
Wer am Ende seiner Wanderung auf dem Jakobsweg die "Compostela" - die Urkunde zur Bestätigung der Pilgerschaft - in Santiago de Compostela erhalten möchte, sollte mindestens die letzten 100 Kilometer zu Fuß - oder falls Du mit dem Rad unterwegs bist die letzten 200 Kilometer - mit Stempeln im Pilgerausweis belegen können. Wer wirklich nur die letzten 100 Kilometer wandert, soll sogar zwei Stempel am Tag in seinem Pilgerausweis benötigen. Nur dann, so heißt es, wird Dir im offiziellen Pilgerbüro (und wohl auch an einigen anderen Stellen) die mit Deinen persönlichen Daten handschriftlich ergänzte Urkunde ausgestellt. Das ist für viele - und wurde es auch für mich - ein Stück weit das Jagen einer Trophäe. Einer Urkunde die belegt: ich habe es geschafft. Ich bin den Jakobsweg Küstenweg gegangen. Abgesehen von dem Stolz den man verspürt, wenn man die Compostela in den Händen hält, ist diese Urkunde auch wirklich ganz hübsch. Wie sie aussieht, kannst Du auf den Bildern in der nachstehenden Gallerie sehen.

 
Neben den beiden vorher angeführten Gründen für die Stempel im Pilgerausweis kommt auch irgendwann Neugier und die besagte Sammelleidenschaft. Immerhin haben alle Herbergen, Kirchen, viele Pensionen und Hostels und manchmal auch kleine Schreine oder Bars ihre jeweils eigenen Stempel.

Einige davon zeigen die Bilder meines Pilgerausweises. Stempel bekommt man wirklich fast überall. Der erste war schon drin, als mein Pilgerausweis mit der Post kam. Heute ist mein Credencial eines meiner liebsten Erinnerungsstücke an diese wunderbare Reise auf dem Jakobsweg Küstenweg. Und immer, wenn ich ihn mir anschaue, überkommen mich Fernweh, Sehnsucht, Erinnerungen an all das Erlebte, Freude und auch ein klein wenig Stolz. Der Pilgerausweis wird am Ende mehr, als nur ein Stück Papier mit hübschen, bunten Stempeln. Er ist wichtiges Ausrüstungsstück auf Deiner Reise und er wird ein wichtiges Erinnerungsstück nach Deiner Reise.
Darüber hinaus hat der Pilgerausweis lange Tradition. Vermutlich so lang, wie die Geschichte der Jakobswege und Pilgerreisen zurück reicht. Bereits im Mittelalter stellte die Kirche den angehenden Pilgern enstprechende Pilgerausweise aus, damit sich diese auf dem Weg nach Santiago de Compostela als tatsächliche Pilger ausweisen konnten. Unbestätigten Quellen zufolge, dienten Stempel oder Siegel seit jeher als Beleg für eine echte Pilgerschaft. Der Pilger konnte oder musste so belegen, dass er die lange Pilgerreise wirklich gegangen war und nicht mit Pferdekutsche, Schiff oder heute Bus und Bahn abgekürzt hatte. Heute werden die Pilgerausweise überwiegend von der Kathedrale in Santiago hergestellt und an Jakobusvereine in ganz Europa und im Rest der Welt verschickt. Wo und wie Du nun Deinen Pilgerausweis von diesen Jakobusvereinen bekommst, das steht im nächsten Absatz.

Wie zu Beginn schon erwähnt, halte ich es für ratsam, den Pilgerausweis schon vor Reiseantritt zu bestellen. Das geht ganz einfach bei einem der besagten Jakobusvereine. Welchen Du wählst, das ist ganz Dir überlassen. Es gibt auch mindestens einen Pilgershop der ebenfalls den Credencial verkauft. Ich werde Dir hier den Link zu dem Jakobusverein zur Verfügung stellen, wo ich meinen bekommen habe, einfach, weil ich aus eigener Erfahrung weiß, dass es einfach und umkompliziert war und schnell ging. Da ich gern kurzentschlossen bin, habe ich auch meinen Pilgerausweis auf den letzten Drücker bestellt. Wer nicht so auf Nervenkitzel steht, sollte zwei bis drei Wochen vor Anreise zum Jakobsweg seinen Pilgerausweis bestellen. Grundsätzlich ist der Credencial gratis, der Jakobusverein freut sich aber über eine kleine Spende. Hier zu spenden ist aus meiner Sicht nur fair und auch angebracht, denn sowohl das Papier und der Druck des Credencial, als auch das Ausfüllen und Versenden, kosten Geld und Arbeitszeit und die Jakobusvereine kümmern sich darüber hinaus auch um die Pflege und den Erhalt der Jakobswege hier bei uns im Land. Soweit ich informiert bin, sind Spenden zwischen um 8 bis 10 Euro angemessen. Es soll auch Pilgerausweise für 2 € + 4,90 € Versand geben - aber das kommt irgendwie aufs Gleiche raus und ich persönlich unterstütze dann lieber die Arbeit der Jakobusvereine. Und wenn man bedenkt, dass man dafür jede Nacht für sehr günstige 5 - 10 Euro und teilweise sogar mit Frühstück ein Bett und sanitäre Einrichtungen erhält, dann ist diese kleine Summe wirklich kein großes Opfer.

Mein Credencial: der Pilgerausweis auf dem Jakobsweg - wichtige Ausrüstung, geliebte Erinnerung

 

Meinen Pilgerausweis habe ich wie erwähnt online bei der Deutschen St. Jakobus-Gesellschaft bestellt. Wenn Du es mir gleich tun möchtest, folge einfach dem nachstehenden Link zum Online-Antrag Pilgerausweis oder besuche die Internetseite der St. Jakobus-Gesellschaft E.V.. Dort findest Du neben dem Online-Antrag auch einen zum Ausdrucken und Beantragen per Post. Egal welchen Weg Du wählst, Du hast nun nur noch Deine Daten inklusive Personalausweisnummer ein zu tragen und einige Tage später kommt dein fertig ausgefüllter und stempelbereiter Pilgerausweis zu Dir nach Haus! Und damit beginnt dann die Vorfreude auf Deine Reise auf dem Jakobsweg! Neben den Pilgerausweisen stellt die Jakobus-Gesellschaft übrigens auch viele weitere Informationen rund um das Pilgern zur Verfügung.

Solltest Du trotz allem nun doch vergessen haben Deinen Pilgerausweis zu bestellen oder er kommt aus irgend einem Grund zu spät bei Dir an, dann ist das immer noch kein Grund zur Panik. An den Startpunkten der Jakobswege und in vielen anderen Herbergen kannst Du ebenfalls noch deinen Pilgerausweis erhalten. Der Pilgerausweis jeder Gesellschaft und jeden Landes sieht übrigens anders aus. So sind Pilger aus allen Regionen und Ländern mit sehr unterschiedlichen Pilgerausweisen unterwegs. Meiner hat auf der Rückseite noch Kartenmaterial der Jakobswege. Solltest Du bis nach Finisterre oder Muxia laufen, so gibt es unterwegs natürlich auch noch Stempel und am Ende jeweils nochmal schöne bunte Urkunden. Dazu aber mehr in einem anderen Beitrag!
Wenn Dir Dieser Artikel eine Hilfe war, teile ihn gern mit Freunden oder in Foren um auch anderen Interessierten und angehenden Jakobsweg-Pilgern zu helfen. Falls Dir irgendetwas unklar ist oder etwas Wichtiges fehlt, freue ich mich über Kommentare!
Buen Camino! Dein Jonas

2 Kommentare

  1. Barbara sagt:

    Hallo Jonas, sehr ausführlich beschrieben, ich danke dir Barbara

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